Nordnorwegen ist nicht nur wild, rau und spektakulär schön – es ist auch einer der spannendsten Lebensräume für Wale im Nordatlantik. Zwischen tief eingeschnittenen Fjorden, vorgelagerten Inselketten und abrupt abfallenden Kontinentalschelfen finden Meeressäuger Bedingungen, die nahezu perfekt sind. Kaltes, sauerstoffreiches Wasser, starke Strömungen und ein besonderes Nahrungsangebot wirken sich je nach Jahreszeit wie ein Magnet auf ganze Walpopulationen aus.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, welche Walarten rund um Nordnorwegen vorkommen, wann und wo man sie besonders gut beobachten kann – und was diesen hohen Norden zu einem echten Hotspot für Walbegegnungen macht. Pottwale sind die Giganten der Tiefe, spezialisierte Jäger, die in beeindruckende Tiefen abtauchen und vor allem in küstennahen Regionen mit tiefem Meer regelmäßig anzutreffen sind. Buckelwale dagegen sind die charismatischen „Oberflächenstars“. Sie kommen dorthin, wo Fischschwärme die Fjorde füllen, sind oft gut beobachtbar und zeigen mit etwas Glück sogar spektakuläre Verhaltensweisen an der Wasseroberfläche.

Doch Nordnorwegens Küstengewässer bieten weit mehr. Auch Finnwal und Zwergwal gehören zum Artenspektrum, ebenso wie Orcas, Schweinswale und Grindwale. Dazu kommen auch Weißschnauzendelfin und der Weißseitendelfin, die in den nördlichen Atlantikgewässern regelmäßig unterwegs sind. Und in den letzten Jahren wird das Bild sogar noch vielfältiger. Belugas werden gelegentlich gesichtet, und auch der Rundkopfdelfin – auch bekannt als Risso-Delfin – taucht neuerdings vereinzelt auf, was die Region für Naturfans zusätzlich spannend macht.

Denn wer einmal erlebt hat, wie plötzlich ein Walrücken zwischen Fjordwänden auftaucht und der sogenannte Blas in die klare Polarluft steigt, versteht schnell: Nordnorwegen ist eine Reise in eine Welt, in der das Meer den Takt vorgibt.

Spannendes Wal-Wissen über die Wale von Nordnorwegen

Was sich unter der Wasseroberfläche abspielt, ist vielen Menschen unbekannt. Gerade deshalb ist das Meer eine Wildnis, die unsere Neugier entfacht. Vielleicht hast du schon gehört, dass vor der Küste Norwegens Wale leben. Doch wusstest du, dass du sie nicht nur im Winter beobachten kannst?

Wale sind die größten Lebewesen auf unserer Erde. Elf verschiedene Arten haben aktuell vor den Küsten ders Landes ihren Lebensraum gefunden. Und entgegen der weitverbreiteten Annahme halten sie sich auch in den Sommermonaten in den Meeren vor Norwegen auf. Die Gründe dafür möchte ich dir in diesem Überblick gerne näherbringen.

Bartenwale vs. Zahnwale

Wo sich die Wale zu welcher Jahreszeit aufhalten, hängt zunächst mit ihren verschiedenen Lebensweisen zusammen. Dafür ist es bereits wichtig, die Wale zwischen Barten- und Zahnwalen zu unterscheiden.

Bartenwale haben Hornplatten in ihrem Maul, oder auch Barten genannt, mit denen sie winzige, garnelenartige Lebewesen – sogenannten Krill – aus dem Wasser filtern können. Zu den Bartenwalen gehören unter anderem Finnwale, Buckelwale und Zwergwale. Ausnahmslos alle Bartenwale legen mehrmals im Jahr riesige Wanderungen quer durch die Ozeane zurück.

Zahnwale haben Zähne. Diese sehen bei den einzelnen Walarten zwar unterschiedlich aus, sind jedoch zur Nahrungsaufnahme von größeren Lebewesen, wie Fisch, Kalmar oder sogar Meeressäuger geeignet. Zahnwale sind zum Beispiel Pottwale, Orcas, Schweinswale oder Delfine. Ein weiteres Merkmal der Zahnwale ist ihre Standorttreue. Sie sind heimatverbunden und leben ganzjährig vor der norwegischen Küste.

BartenwaleZahnwale
WaleFinnwal
Buckelwal
Zwergwal
Pottwal

DelfineOrca (Schwertwal)
Grindwal
Beluga (Weißwal)
Rundkopfdelfin (Risso-Delfin)
Weißseitendelfin
Weißschnauzendelfin
Schweinswal

Wale vs. Delfine

Nach der Unterscheidung zwischen Bartenwalen und Zahnwalen, müssen wir weiter differenzieren, um die Welt der Meeresriesen genauer zu verstehen. Doch die Unterscheidung zwischen Walen und Delfinen ist gar nicht so einfach. Da gibt es einen Grundsatz, der zunächst ganz schön verwirrend klingt:

Jeder Delfin ist ein Wal – aber nicht jeder Wal ist ein Delfin.

Im Alltag werden Wale und Delfine oft wie zwei getrennte Tiergruppen behandelt – biologisch betrachtet ist das aber nicht ganz korrekt. Den besten Überblick bekommt man meiner Meinung nach, wenn man sich die Taxonomie anschaut. Ich lasse die schwierigen wissenschaftlichen Begriffe zu großen Teilen weg, versprochen! Und wir betrachten eine vereinfachte Form, und nur die elf Wale von Nordnorwegen.

Der Begriff Wal umfasst also die Gruppe der Cetacea und gilt damit als Überbegriff von knapp 90 verschiedenen Säugetierarten – wissenschaftlich werden die Wale / Cetacea als Ordnung bezeichnet. Gemeinsam haben die Wale, dass sie neben den Seekühen die einzigen vollständig an das Leben im Wasser angepassten Säugetiere sind. Bis auf wenige Flussdelfin-Arten leben alle Wale im Meer – und damit im Salzwasser.

Die Delfinartigen (Achtung – umgangssprachlich häufig nur Delfine) gehören demnach zur Unterordnung der Zahnwale und bilden darin eine Überfamilie. Sie werden weiter unterschieden in die tatsächlichen Delfine sowie in die beiden Familien Gründelwale und Schweinswale. Vom Pottwal unterscheiden sich die Delfinartigen durch einen evolutionär sehr erfolgreichen „Allrounder“-Körperbau. Sie sind viel kleiner, sie sind wendige und schnelle Schwimmer und oft sehr soziale Jäger, die in Familienverbänden leben.

Warum wandern Wale?

Bartenwale pendeln zwischen polaren und wärmeren Gewässern. Die warmen Ozeane – in der Karibik oder vor den Azoren – dienen in den Sommermonaten der Fortpflanzung und der Geburt der Jungen. Kalte Gewässer, wie sie zum Beispiel in der arktischen Unterwasserwelt zu finden sind, eignen sich wegen des reichen Nahrungsangebots besonders gut für die großen Wale, um sich eine dicke Fettschicht anzufressen – das gilt natürlich auch für die Wale von Nordnorwegen.

Zwei Zahnwalarten tanzen jedoch aus der Reihe. Auch die Pottwale wandern nach dem gleichen Muster wie die Bartenwale. Eine weitere Ausnahme sind die Orcas, die das ganze Jahr über im Europäischen Nordmeer umher ziehen. Ein Grund dafür sind die Heringsschwärmen, denen sie folgen. Zwar zählen die Orcas damit nicht zu den Wanderern im klassischen Sinne, aber dennoch ist das Zurücklegen großer Strecken ein wesentlicher Bestandteil ihrer Lebensweise.

Das Pendeln zwischen diesen beiden Meeren ist zwingend notwendig und zu einem wichtigen Bestandteil der Kultur der Wale geworden. Über weitere Gründe für die Wanderungen ist sich die Forschung nicht sicher. Es wird vermutet, dass die Wale im warmen Wasser durch eine besonders gute Durchblutung der Haut Parasiten und Seepocken “abschütteln” können. Hierzu wird aktuell weiter geforscht.

Ganzjährig vor der Küste Nordnorwegens

Wenn man nun alle Generationen der Wale betrachtet, gibt es natürlich sowohl erwachsene Tiere als auch Neugeborene, die bei Walen Kälber genannt werden. Doch wie bei uns Menschen gibt es auch jugendliche Wale, die noch nicht geschlechtsreif sind. Buckelwale werden mit fünf bis sieben Jahren geschlechtsreif, Pottwalbullen sogar erst mit 25 Jahren! Die jugendlichen Tiere haben noch keinen Grund, die nahrungsreichen Gewässer vor Norwegen zu verlassen und bleiben gerne das ganze Jahr über.

Die Delfinartigen leben ohnehin ganzjährig vor der norwegischen Küste. Orcas sind zwar wegen ihrer Nahrungssuche nicht so leicht berechenbar, aber auch sie halten sich das ganze Jahr in der Nähe auf. Es kann zwar nicht garantiert werden, welcher Wal sich wo aufhält, aber die Chancen, einen Wal zu sehen, sind ganzjährig sehr gut. 

Whale Watching vs. Festland-Beobachtungen

Um die Wale von Nordnorwegen zu beobachten, sind nicht unbedingt teure Whale Watching Touren nötig. Durch die steil abfallenden Küsten kommen auch die großen Bartenwale so nah ans Festland, dass du den Blas problemlos von einem Aussichtspunkt aus sehen kannst. Zur genaueren Bestimmung der Wale ist ein Fernglas trotzdem hilfreich. Je kleiner der Wal ist, desto näher kann er an das Ufer heran schwimmen. Nur der Pottwal ist am besten mit dem Boot zu erreichen, da sein Lebensraum etwas abseits von der Küste über dem Bleik Canyon liegt, doch dazu später mehr.


Pottwal – Gigant aus der Tiefsee

engl: Sperm whale / norw: Spermhval

Der Pottwal zählt zu den beeindruckendsten Meeresbewohnern überhaupt. Er ist der größte Zahnwal der Welt. Ausgewachsene Männchen erreichen Körperlängen von bis zu 18 Metern und bringen dabei ein Gewicht von bis zu 57 Tonnen auf die Waage. Besonders markant ist der Kopf, der etwa ein Drittel der gesamten Körperlänge einnimmt. Der quaderförmige Schädel wirkt fast wie ein massiver Block – und ist gleichzeitig Träger eines Rekords: Im Kopf des Pottwals befindet sich das größte und schwerste Gehirn im gesamten Tierreich.

Verschiedene Lebensräume

Pottwal-Familienverbände leben vor allem in tropischen und subtropischen Gewässern, beispielsweise im Nordatlantik. Doch bei den männlichen Tieren verändert sich dieses Muster mit zunehmendem Alter deutlich. Sobald sie etwa 10 bis 12 Jahre alt sind, verlassen sie ihre Familiengruppen und verlagern ihren Lebensraum schrittweise nach Norden. Dort, in den nahrungsreichen arktischen Meeren, finden sie optimale Bedingungen, um ihre enorme Körpergröße zu entwickeln. Weibchen bleiben im Vergleich deutlich kleiner und erreichen „nur“ etwa 11 Meter.

Männliche Pottwale bevorzugen Regionen in Festlandnähe, in denen sich gleichzeitig tiefes Meer befindet. Genau diese Kombination ist besonders attraktiv, weil sich dort ihre Beute in hoher Dichte findet – gewissermaßen die „Premium-Leckerbissen“ der Tiefsee. Der Ozean rund um die Vesterålen gilt deshalb als idealer Lebensraum für männliche Pottwale: tief, nahrungsreich und strategisch perfekt für erfolgreiche Jagdzüge.

Bemerkenswert ist, dass rund um die Vesterålen männliche Pottwale ganzjährig anzutreffen sind. Solange sie sich noch im Wachstum befinden und ihre körperliche Stärke weiter ausbauen, bleiben sie dauerhaft in diesen Jagdgründen. Erst wenn sie groß und kräftig genug sind, ziehen sie in wärmere Gewässer, um sich zu paaren.

Eine weite Reise

Um diese besondere Population besser zu verstehen und wissenschaftlich einzuordnen, wurde im Jahr 2021 ein Forschungsprojekt gestartet. Ziel ist es, mehr über das Verhalten, die Wanderbewegungen und die Nutzung dieses außergewöhnlichen Lebensraums durch männliche Pottwale herauszufinden.

Darf ich vorstellen, Marten, Cato, Hannu, Ronny, Emmanuel und Luis sind sechs Pottwale, die schon ganz schön viel von der Welt gesehen haben. Sie sind ehrlicherweise richtige Weltenbummler, denn ihre Familien leben 7.000 Kilometer weit entfernt in der Karibik. Die Pottwale wurden besendert und konnten genau das belegen, denn alle schickten im Frühling und Sommer Signale von einer ähnliche Route in Richtung Karibik.

Die Forschenden schließen daraus, dass die männlichen Pottwale die Reiserouten von erfahrenen Artgenossen erlernen. Sie halten sich in den futterreichen Meeren im Norden von Norwegen auf und erreichen dadurch ihre stattliche Gelenkbus-Größe. Sobald sie mit etwa 25 Jahren geschlechtsreif sind, nehmen sie die weite Reise in die Karibik auf sich, um dort für die nächste Pottwal-Generation zu sorgen. Die weiblichen Tiere bleiben dauerhaft in den warmen Gewässern der Karibik, um dort die Jungtiere zur Welt zu bringen und groß zu ziehen. Wenn die männlichen Jungtiere ein Alter von etwa 12 Jahren erreichen, begeben auch sie sich auf die Reise in den Norden.


Buckelwal – der beliebte Akrobat

engl: Humpback whale / norw: Knølhval

Der Buckelwal gehört zu den bekanntesten Großwalen der Welt – nicht, weil er der größte wäre, sondern weil er wie kaum eine andere Art Verhalten zeigt, das man beobachten und „lesen“ kann. Buckelwale sind gewissermaßen die Kommunikatoren und Strategen unter den Bartenwalen: sozial flexibel, hochmobil, extrem lernfähig und echte Opportunisten, wenn es um Nahrung geht.

Buckelwale sind berühmt für ihre Sprünge (Breaching), ihre weitausholenden Flossenschläge und ihre oft spektakulären Oberflächenmanöver. Biologisch erfüllt dies gleich mehrere Zwecke: Kommunikation, Parasitenreduktion, Revier-/Kontaktverhalten oder auch mal ganz schlicht Energieabbau.

Ein weiteres Markenzeichen sind die außergewöhnlich langen Brustflossen – im Verhältnis zur Körpergröße die längsten im Walreich. Sie sind an den Unterseiten meist weiß gefärbt und verleihen Buckelwalen eine enorme Manövrierfähigkeit, was gerade in Fjordsystemen und an Küstenkanten mit dichtem Fischaufkommen ein klarer Wettbewerbsvorteil ist.

Wer singt da so schön?

Der Gesang der Buckelwale gehört zu den faszinierendsten Naturphänomenen der Meere. Er klingt nicht wie ein einzelner Ruf, sondern wie eine komplexe Klanglandschaft. Tiefe, vibrierende Töne, rhythmische Sequenzen und wiederkehrende Motive, die sich verändern und doch erkennbar bleiben. Dabei ist der Gesang klar strukturiert – fast wie ein Lied mit Strophen, Variationen und Wiederholungen.

Besonders beeindruckend ist die Ausdauer, denn ein Buckelwal kann über viele Minuten bis hin zu Stunden singen. Unter Wasser trägt sich dieser Klang weit und kann sich über Kilometer ausbreiten, häufig noch über Dutzende Kilometer, teils sogar über mehr als 100 Kilometer hinweg. Unter besonders günstigen Bedingungen können tieffrequente Walrufe im Ozean sogar noch wesentlich weiter reichen.

Für Menschen ist das ebenfalls spannend, denn im Wasser (z. B. beim Tauchen) kann man Walgesang unter Umständen mit den eigenen Ohren wahrnehmen – oft als tiefes, vibrierendes Brummen oder rhythmische Tonfolgen. Um den Gesang auch außerhalb des Meeres hören zu können, wird er über Hydrophone aufgenommen und aufgezeichnet.

Von Blubberblasen und vielen Fischen

Als Bartenwale fangen sie ihre Beute nicht einzeln, sondern nutzen Schwärme. Kleine Fische wie Hering, Sprotte oder auch Sandlanz sammeln sich in dichten Wolken, und genau darauf sind Buckelwale spezialisiert. Häufig sieht man zunächst scheinbar ruhige Annäherungen an der Oberfläche, bevor der eigentliche Zugriff folgt. Dann beschleunigt der Wal aus der Tiefe nach oben, öffnet sein Maul weit und nimmt in einem einzigen Zug enorme Wassermengen auf. Diese Technik wird oft als „Lunge Feeding“ beschrieben: Der Bauchbereich dehnt sich durch die Kehlfurchen stark aus, das Maul wirkt plötzlich gigantisch, und in Sekunden ist der Fischschwarm im Wasserstrom gefangen. Anschließend schließt der Wal das Maul, presst das Wasser durch die Bartenplatten wieder heraus und behält die Beute zurück – ein hochoptimierter Filtervorgang, der bei guter Beutedichte extrem energieeffizient ist.

In nahrungsreichen Regionen – etwa dort, wo Schwarmfische in Fjorde und Küstenzonen gedrängt werden – nutzen Buckelwale mitunter das berühmte Blasennetz. Dabei taucht der Wal (oder mehrere Wale) ab und steigt spiralförmig auf, während er eine Kette aus Luftblasen ausstößt. Diese Blasen bilden eine Art akustische und visuelle Barriere. Viele Fischarten meiden sie oder werden dadurch enger zusammengedrängt. Das Ergebnis ist ein komprimierter Beuteball, der wie auf Kommando an die Oberfläche gehoben wird. Im nächsten Moment schießen die Wale von unten hinein – oft so synchron, dass man zunächst nur mehrere aufreißende Mäuler sieht. Dieses Zusammenspiel ist sehr strukturiert und zeigt die Intelligenz der Buckelwale.


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Weitere Wale von Nordnorwegen

Die übrigen neun Walarten stelle ich dir nun kurz vor und zeige ihre Besonderheiten und einzigartigen Eigenschaften.

Finnwal

engl: Fin whale / norw: Finnhval

Mit bis zu 25 Metern ist er der zweitgrößte Wal der Welt. Ebenso gigantisch ist der bis zu 4 Meter hohe Blas, der bereits aus großer Ferne zu erkennen ist. Der extrem lange Rücken mit namensgebender, gut erkennbarer Rückenflosse und seine insgesamt sehr schlanke, stromlinienförmige Statur machen ihn einzigartig unter den Walen.

Ebenso einzigartig ist die asymmetrische Färbung des Unterkiefers. Dieser ist rechts weiß, und links dunkel. Diese markante Färbung erstreckt sich auch auf die Barten, während das Innere des Mundes und die Zunge umgekehrt gefärbt sind.

Die Wale von Nordnorwegen - Finnwal Zeichnung - (c) My Travel Island

Der Finnwal lebt auf dem offenen Meer sowie in der Übergangszone zwischen Küste und Tiefsee. Bei hohem Nahrungsangebot – etwa während der winterlichen Heringssaison – schwimmt er auch in schmälere Fjorde hinein.

Zwergwal

engl: Minke whale / norw: Vågehval

Mit maximal 9,5 Metern ist der Zwergwal der kleinste Bartenwal der Nordhalbkugel. Er wird auch Minkwal genannt und ist dem Finnwal optisch ähnlich – nur eben rund 1/3 von seinem großen Verwandten. Er hat eine sichelförmige Rückenflosse und bläst unregelmäßig oft bis zu 2 Meter hoch.

Die Wale von Nordnorwegen - Zwergwal Zeichnung - (c) My Travel Island

Der Zwergwal wird bis heute in Norwegen gejagt – unvorstellbar, oder? Doch wo offensichtliches und untragbares Fehlverhalten heute so oft als „Tradition“ durchgewunken wird, kann hier in Norwegen nicht der Grund sein. Studien belegen, dass nur ein winziger Bruchteil der norwegischen Bevölkerung Walfleisch isst. Die riesige Abnehmer ist der Tourismus – zu großen Teilen auch die Kreuzfahrt.

Wenn wir als Reisende endlich aufhören, Walfleisch als „exotische“ und angeblich landestypische Mahlzeit zu verspeisen, können wir diesen Irrsinn stoppen und in Zukunft hoffentlich jährlich rund 1.000 Zwergwale retten.

Orca

engl: Killer whale / norw: Spekkhogger

Der Orca ist auffällig schwarz-weiß gefärbt mit klar konturierten Abgrenzungen zwischen den beiden Farben. Er ist größte Delfinart der Welt – die männlichen Orcabullen werden durchschnittlich 8 Meter groß und haben eine bis zu 2 Meter hohe, schwertförmige Rückenflosse. Darum werden die Orcas auch Schwertwale genannt, oder auch Killerwale.

Die Wale von Nordnorwegen - Orca Zeichnung - (c) My Travel Island

Orcas leben in sehr sozialen Familienverbänden (Pods), die vom ältesten Weibchen angeführt werden und in der Regel aus 8-15 Tieren bestehen.

Ich durfte die nordnorwegischen Orcas erst vor ein paar Wochen persönlich kennenlernen, weshalb in Kürze ein umfassender Extra-Blogbeitrag zu dieser Reise und den faszinierenden Orcas folgt.

Grindwal

engl: Long-finned pilot whale / norw: Grinhval

Für ein wahres Spektakel sorgt der Grindwal, wenn wir das Glück einer Sichtung haben. Zwar ist der Grindwal nicht unbedingt auffällig, er lebt jedoch in Schulen (so werden Delfin-Gruppen genanntn) von bis zu 100 Tieren, die sich zudem besonders häufig an der Wasseroberfläche aufhalten. Wenn die Grindwale in der Nähe der Küste auftauchen, ist also ganz schön was los.

Die Wale von Nordnorwegen - Grindwal Zeichnung - (c) My Travel Island

Grindwale werden auch Pilotwale genannt und erreichen eine Körpergröße von 4-6 Metern. Sie sind schwarz gefärbt, haben einen sehr kugeligen Kopf, eine kurze Schnauze und eine einzigartig gebogene und lang gestreckte Rückenflosse, an der sie auf den ersten Blick schon gut zu erkennen sind.

Beluga / Weißwal

engl: Beluga whale / norw: Hvithval

Der Beluga ist ein weißer Wal mit 4-5,50 Metern Körpergröße und runder Kopfform. Er ist der einzige Wal, der seinen Kopf drehen und getrennt vom Körper bewegen kann. Außerdem hat der Beluga keine Rückenflosse.

Die Wale von Nordnorwegen - Beluga Zeichnung - (c) My Travel Island

Sie sind in Nordnorwegen sehr selten, schwimmen jedoch hin und wieder aus den sibirischen Gewässern bis zu den Küsten rund um das Nordkap, die Nordkinnhalbinsel oder Varanger. Belugas sind ausgesprochen gesellig und sozial und leben üblicherweise in Familiengruppen – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Rundkopfdelfin / Risso-Delfin

engl: Risso’s dolphin / norw: Arrdelfin

Ein recht neuer Bewohner der nordnorwegischen Gewässer ist der Rundkopfdelfin, der als Risso-Delfin besser bekannt ist. Er wird seit 2017 manchmal bei WhaleWatching-Touren im Sommer in Gruppen von 10 bis 30 Tieren weit draußen, nordwestlich der Inselgruppe Vesterålen gesehen. Davor kamen Rundkopfdelfine im Atlantik nur etwa bis zur Höhe von Schottland vor.

Die Wale von Nordnorwegen - Risso-Delfin Zeichnung - (c) My Travel Island

Der Delfin ist fast 4 Meter groß, hat einen auffällig runden Kopf und eine sichelförmige Rückenflosse. Am markantesten ist seine sehr gefärbte Haut in grau, weiß oder fast schwarz, die ganz typisch bei den älteren Tieren mit vielen Narben überzogen ist. Vermutlich stammen die Narben Kämpfen untereinander, aber auch mit Kalmaren oder Haien.

Weißseitendelfin

engl: Atlantic white-sided dolphin / norw: Kvitskjeving

Der Weißseitendelfin wir maximal 2,70 Meter groß und hat eine deutlich ausgeprägte, sichelförmige Rückenflosse. Sein optisches Alleinstellungsmerkmal sind mehrere klar konturierte Farbstreifen an der Körperseite in dunkelgrau, hellgrau und weiß-gelb. Auf diese musst du besonders achten, wenn du den Weißseitendelfin erkennen möchtest.

Die Wale von Nordnorwegen - Weißseitendelfin Zeichnung - (c) My Travel Island

Weißseitendelfine bilden Gruppen und interagieren eng miteinander. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich ihn seltener an den nordnorwegischen Küsten gesehen habe als seinen weißschnäuzigen Verwandten, zu dem wir gleich kommen. Sein Bestand wird weltweit auf 150.000 bis 300.000 Individuen geschätzt.

Weißschnauzendelfin

engl: White-beaked dolphin / norw: Kvitnos ugs.” Springer”

Die Weißschnauzendelfine sind etwas kräftiger als die Weißseitendelfine und etwa 100 kg schwerer. Ansonsten ist die Größe der beiden Delfine annähernd gleich. Identifizieren kann man den Weißschnauzendelfin jedoch an den weißlichen oder hellgrauen, verwaschen Flecken auf der dunkelgrauen Haut und der namensgebenden, hellen Schnauze.

Die Wale von Nordnorwegen - Weißschnauzendelfin Zeichnung - (c) My Travel Island

Sie sind immer in kleinen Gruppen unterwegs und bekannt für ihre akrobatischen Sprünge, die man sehr häufig von der Küste aus beobachten kann. Daher kommt auch ihr norwegischer Spitzname „Springer“.

Schweinswal

engl: Harbour porpoise / norw: Nise

Der kleinster Wal im Nordatlantik ist nur 1,50-2 Meter groß und auch aus Nord- und Ostsee bekannt. Schweinswale kommen immer nur kurz aber sehr regelmäßig an die Oberfläche, um zu atmen, sind dadurch aber gut verfolgbar. Sie haben eine kleine, flache Rückenflosse und sind alleine oder in kleinen Gruppen zu sehen.

Die Wale von Nordnorwegen - Schweinswal Zeichnung - (c) My Travel Island

Viele weitere spannende Informationen über den Schweinswal sowie Details über das Verhalten, die Alleinstellungsmerkmale und die Beobachtungsorte der verschiedenen Walarten, findest du in meinem Reisehandbuch Nordnorwegen*.


Glückliche Wale

Das unvergessliche und emotionale Erlebnis einer Walsichtung lässt sich ganz nebenbei mit einem sehr sinnvollen Aspekt verbinden. Im Handumdrehen kannst du nämlich zu einem wichtigen Teil der Walforschung werden, indem du dabei hilfst, Wale zu identifizieren und ihre natürliche Wanderungsroute aufzuzeichnen. Das klingt doch spannend, oder? Wie das funktioniert, erkläre ich dir jetzt.

Bürgerwissenschaftliche Projekte eröffnen heute neue Wege, um Forschung transparent, zugänglich und gemeinschaftlich zu gestalten. Happy Whale verfolgt genau diesen Ansatz. Jeder Mensch, der sich für die Meere und ihre Bewohner interessiert, erhält die Möglichkeit, aktiv an wissenschaftlicher Walforschung mitzuwirken – niedrigschwellig und wirkungsvoll.

Und so kannst du mitmachen

Das zugrunde liegende Konzept ist bewusst einfach gehalten. Teilnehmende laden ihre eigenen Wal-Fotos hoch und stellen diese der wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung. Anhand charakteristischer Merkmale wie der Fluke (Schwanzflosse) und der Finne (Rückenflosse) können Fachleute einzelne Tiere eindeutig identifizieren. Auf diese Weise werden entweder bislang unbekannte Wale neu in die Datenbank aufgenommen oder bereits bekannte Individuen wiedererkannt. Frühere Sichtungen lassen sich dadurch miteinander verknüpfen und zu detaillierten Wanderrouten zusammenführen. Ich mache jedes Mal mit und trage alle Wale von Nordnorwegen ein, die ich fotografieren konnte.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese Methode am Beispiel der Buckelwale. Jeder Buckelwal besitzt eine Fluke mit einer einzigartigen Form sowie einem individuellen Schwarz-Weiß-Muster. Diese Merkmale sind so unverwechselbar wie menschliche Fingerabdrücke und ermöglichen eine zuverlässige Wiedererkennung über viele Jahre hinweg.

Für die Teilnahme ist lediglich ein persönlicher Account auf happywhale.com erforderlich. Nach der fachlichen Prüfung durch Wissenschaftler*innen werden die eigenen Walsichtungen auf einer persönlichen Weltkarte visualisiert. Gleichzeitig erhält man Zugang zur globalen Datenbank. Bis heute konnten bereits rund 87.000 einzelne Wale identifiziert werden – ein eindrucksvoller Beleg für den Sinn dieses gemeinschaftlichen Ansatzes. Alle erfassten Tiere und ihre bekannten Wanderbewegungen lassen sich transparent auf Karten nachverfolgen.

Die übergeordneten Ziele von Happy Whale sind ein besseres globales Verständnis von Walpopulationen, der dringend notwendige Schutz der Meeresumwelt sowie die nachhaltige Stärkung von Wissenschaft und Bildung. Die gesammelten Daten fließen in Forschungsprojekte auf der ganzen Welt ein und unterstützen fundierte Entscheidungen im Meeresschutz.

Wer darüber hinaus einen Beitrag leisten möchte, kann im Rahmen eines Spendenprogramms einen Wal symbolisch taufen. Du spendest einen bestimmten Betrag an eine Non-Profit-Organisation, die sich mit der Wissenschaft der Wale befasst und dafür bekommt ein Wal den Namen deiner Wahl.


Während meiner zahlreicher Reisen nach Nordnorwegen konnte ich bereits mit verschiedenen Forschungs-Organisationen zusammenarbeiten und ein breites Wissen ansammeln. Falls du weitere Fragen dazu hast, melde dich gern bei mir.


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Hast du auch schon mal die Wale von Nordnorwegen beobachten können? Dann schreibe mir gern in den Kommentaren. Und damit sage ich vielen Dank fürs Lesen und gute Reise! ♡


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Offenlegung: Wir haben die komplette Reise selbst bezahlt.

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