Je weiter man in Richtung Osten reist, desto einsamer und stiller wird Island. Wir begegnen nur noch kaum Touristen und die Gegend wird immer ursprünglicher. Sogar die Ringstraße 1 ist zum Zeitpunkt unserer Reise im Osten noch nicht fertig ausgebaut. Also legen wir einige Kilometer mit geringer Geschwindigkeit auf einem Weg aus Erde und Kies zurück. Noch abenteuerlicher wird es, als wir die Ringstraße verlassen, um ein paar Ausflugsziele zu erreichen. Bei den Serpentinen im Osten Islands sollte man schwindelfrei sein. Am Wegesrand geht es oft viele Hundert Meter nach unten. Dort wartet der tosende Atlantik. Zudem sind wir viele Stunden über Schotterpisten gefahren.

Wusstest du, dass in Island mehr Schafe als Menschen leben? Zu den 330.000 menschlichen Einwohnern kommen 460.000 kleine, flauschige. Besonders hier im Osten Islands treffen wir auf viele Schäfchen, die auch oftmals mutig über die Straße hüpfen. Also immer achtsam sein während der Fahrt! Auch von den berühmten Islandpferden gibt es hier sehr viele. Insgesamt leben 77.000 auf der Insel. Während unserer Reise haben wir viele unvergessliche Begegnungen mit diesen schönen Tieren. An jeder Ecke und hinter jedem Hügel ist eine Pferdekoppel mit freundlichen Vierbeinern, die sich über einen kurzen Besuch zu freuen scheinen.

Im Osten Islands verbringen wir zwei Nächte in einer hübschen, kleinen Holzhütte auf einem Pferdehof. Hier lernen wir noch ein pelziges Kerlchen kennen. Der liebe Kater der Gastgeberfamilie leistet uns jeden Morgen und jeden Abend auf unserer kleinen Terrasse Gesellschaft.


Inhaltsverzeichnis


Seydisfjördur

Seydisfjördur ist eine Stadt im Osten Islands mit einer typisch nordischen, kleinen Kirche und dem berühmten Regenbogenweg, der zur Kirche führt. In der Stadt legt die einzige Autofähre an, die Dänemark über die Färöer Inseln mit Island verbindet. Wir sind auf dem Landweg in das Örtchen im Osten gefahren und hatten von der abenteuerlichen Passstraße 93 eine grandiose Aussicht auf den Fjord.

Es gibt hier ein paar nette Geschäfte, kleine Cafés und auch ein paar Restaurants. Der kleine Ort lädt zu einem Spaziergang ein. Am wärmsten Tag unserer Reise bei stolzen 24 °C konnten wir die Gegend im T-Shirt erkunden. Das ist für isländische Verhältnisse so richtig sommerlich.


Gufufoss

In den Ostfjorden, ganz in der Nähe von Seydisfjördur, stürzt der Gufufoss 27 Meter in die Tiefe. Der Wasserfall liegt direkt an der Straße 93, daher kommt man hier besonders nah an den Wasserfall ran. Da der Osten Islands so menschenleer ist, trifft man trotzdem nicht viele Touristen. Als wir dort waren, haben tatsächlich ein paar Leute am Wasserfall gebadet, da wir ja so Glück mit angenehm warmen Temperaturen hatten. Mir wäre das Wasser aber trotzdem viel zu kalt gewesen… Der Gufufoss liegt an der 32. Stelle der höchsten Wasserfälle Islands.


Borgarfjardarhöfn und die Papageientaucher

Etwa 1,5 Stunden von unserer Unterkunft entfernt befindet sich das Vogelbeobachtungsgebiet Borgarfjardarhöfn. Von Egilsstadir folgen wir der Straße 94 in Richtung Norden, bis der Weg einen 90°-Knick in Richtung Osten macht. Die Straße ist nicht asphaltiert und sehr holperig. Gegen Ende führt die unbefestigte Fahrbahn den steilen Klippen entlang. Das ist ein adrenalinreiches Abenteuer, vor allem als wir dann auch noch riesigen Straßenbaumaschinen ausweichen müssen. Da die Bauarbeiter zu dieser Zeit sehr fleißig waren, könnte die Straße 94 mittlerweile vielleicht asphaltiert sein.

Die Freude an den süßen Papageientauchern lässt uns die beschwerliche Anreise allerdings sehr schnell vergessen. Borgarfjardarhöfn ist eine winzige Insel, die über eine Landbrücke mit dem Festland verbunden ist. Schon als wir das Auto abstellen, sehen wir die niedlichen Vögel etwas unbeholfen durch die Gegend flattern. Der Flugstil der Papageientaucher ist wirklich ungewöhlich und sieht ein bisschen tollpatschig aus. Zum Fische fangen, lassen sie sich übrigens einfach aus großer Höhe ins Meer plumpsen. Das sieht total lustig aus.

Dieser Vogelbeobachtungsort ist ein absoluter Geheimtipp! Wir haben dort nur sehr wenige Menschen getroffen. Aus diesem Grund waren die Vögel auch tiefenentspannt und wir konnten sie fast hautnah beobachten. Auf dieser kleinen Insel leben und brüten etwa 10.000 Papageientaucher-Paare in kleinen Erdhöhlen. Über einen Beobachtungssteg hat man die perfekte Sicht auf die zauberhaften Tiere. Wir waren absolut begeistert von diesem Erlebnis! Eines der Top-Highlights unserer gesamten Islandreise.


Der See Lagarfljót

Neben der Straße 95 erstreckt sich der langgezogene See Lagarfljót im Osten Islands. Mit einer Fläche von 53 km² ist er der fünftgrößte See des Landes. In dem bis zu 112 Meter tiefen See entspringt auch der gleichnamige Fluss Lagarfljót, der schließlich mit dem Fluss Jökulsá á Brú zusammenfließt und im Nordatlantik mündet.

Direkt am Ostufer des Sees befindet sich außerdem der größte Wald Islands, der Hallormsstadaskógur. Und auch in diesem See lebt laut isländischer Sage ein Seeungeheuer. Die riesige Seeschlange soll zwischen 10 und 90 Metern groß sein und heißt Lagarfljótwurm. Zuletzt wurde das Ungeheuer angeblich im Jahr 2012 gesichtet. Der scheinbare Beweis ist ein Video, das weltweit im Internet und im Fernsehen Berühmtheit erlang.

Die Umgebung des Sees lädt zu ausgiebigen Wanderungen ein. Zahlreiche Flüsse und Bäche münden im Lagarfljót und auch zwei Wasserfälle befinden sich in unmittelbarer Nähe. Eine ganz besonders schöne Erinnerung ist das Hochzeitsfoto von uns, das am Ufer des Sees entstand.


Fjorde im Südosten

Sobald wir den Ort Fáskrúdsfjördur am gleichnamigen Fjord erreichen, verwandelt sich die Ringstraße 1 in einen traumhaften Panoramaboulevard, vorbei an steilen Klippen und hohen Bergen und auf der linken Seite immer am Atlantik vorbei. Die Straße schlängelt sich entlang den zerklüfteten, wunderschönen Fjorden im Südosten Islands. Eine imposantere Strecke für einen Roadtrip gibt es kaum. Die schroffe und unberührte Natur ist total beeindruckend.

Besonders groß ist der Fjord Berufjördur, der 35 Kilometer in das Festland hineinragt. Die Gipfel rund um den Fjord erreichen Höhen von 1.200 Metern. Kurz danach ist der perfekt pyramidenförmige Berg Búlandstindur zu sehen. Es ist kaum zu glauben, dass dieser 1.069 Meter hohe Berg von der Natur geschaffen wurde, doch es ist tatsächlich so. Während der Eiszeit vor 3 Millionen Jahren wurde der Búlandstindur von den Gletschern an allen vier Seiten gleichmäßig abgeschliffen. Es entstand eine verblüffend symmetrische Pyramide.


Fazit

Der Osten Islands ist traumhaft schön und so unberührt. Bis zur Hauptstadt Reykjavík sind es immerhin 8 Stunden Autofahrt. Daher ist das eine tolle Gegend, um ein ruhiges und echtes Island kennenzulernen. Lebendige und grenzenlose Natur, faszinierende Wildnis, die herzerfrischenden und beflügelnden Weiten des Ozeans und einmalige Begegnungen mit zuckersüßen Tieren – das alles haben wir hier erlebt.

Unser absoluter Höhepunkt, und einer der schönsten Momente unserer gesamten Reise, war der Besuch der Papageientaucher-Kolonie. Wir waren total überwältigt, als wir die niedlichen Vögel in freier Wildbahn beobachten konnten. Und das in so unmittelbarer Nähe, dass die Tierchen zum greifen nah waren. Selbstverständlich ist es sehr wichtig, die Papageientaucher wirklich nur anzuschauen und auf keinen Fall in ihrem natürlichen Tagesablauf zu stören. Wir haben uns sehr leise verhalten und uns nur ganz langsam bewegt. Da die Vögel dann total entspannt sind und friedlich leben können, werden sie auch in Zukunft an diesem Ort bleiben, um ihre Jungen auszubrüten und aufzuziehen.

Ein weiteres Must-See in Ostisland ist das bezaubernde Seydisfjördur. Auf unserer Islandreise ist dieses Städtchen für mich das schönste. Es hat durch die pastellfarbenen Häuschen und die liebevollen Details einen ganz besonderen, skandinavischen Charme. Auch die Fahrt entlang der Südostfjorde ist ein absolutes Highlight mit einer unübertrefflicher Aussicht und überwältigender Landschaft.


Offenlegung: Wir bezahlten diese Reise komplett selbst.

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