Unsere Island-Rundreise geht weiter und nach knapp sechs Stunden Fahrt erreichen wir unsere Unterkunft. Hier bleiben wir weitere vier Nächte und erkunden den Norden der faszinierenden Vulkaninsel. Starke Windböen und minütlich wechselndes Wetter begrüßen uns. Eigentlich war ein regnerischer Tag vorhergesagt, doch die Sonne strahlt uns ins Gesicht. Wir haben wie schon die ersten vier Tage extremes Glück mit dem Wetter. Ab und zu ziehen dicke, graue Wolken über uns hinweg, trotzdem regnet es so gut wie nie. Sonnenschein und recht angenehme Temperaturen überwiegen. Auch wenn die sich bei Wind natürlich manchmal recht frisch anfühlen. Um mal vorwegzugreifen, auf unserer gesamten 14tägigen Reise hatten wir nur einen komplett verregneten Tag. Ich glaube, das ist für isländische Verhältnisse bestimmt Rekord!

Der Norden Islands ist geprägt von dünn besiedelten Städten, den kürzesten Nächten im Sommer, von spektakulärer Natur und von unglaublichen Kontrasten. In kurzen Abständen folgt ein Naturwunder dem anderen. Ebenso ändert sich die Landschaft jede halbe Stunde. Von schneebedeckten Bergen über die steilen Küsten der Fjorde und leuchtend grüne Wiesen bis hin zu reißenden Flüssen und kargen Stein- und Lavafeldern, hier gibt es wirklich alles.


Übersicht

  1. Die Sage um den Hvítserkur
  2. Hoch im Norden: Siglufjördur
  3. Húsavík und die Wale
  4. Der See Mývatn
  5. Godafoss
  6. Islands Wüste
  7. Dettifoss
  8. Dimmuborgir
  9. Hverir
  10. Traumhotel im Norden Islands
  11. Fazit

1. Die Sage um den Hvítserkur

Kurz nach Laugarbakki im Nordwesten Islands biegen wir von der Ringstraße 1 links ab auf die Straße 711. Straße ist vielleicht der falsche Ausdruck, es folgt eine 30minütige Fahrt mit höchstens 40 km/h auf einer Schotterpiste. Wir erreichen einen sehr steil abfallenden Feldweg zum Besucherparkplatz. Kurz überlegen wir, ob der Weg ohne Geländewagen überhaupt befahrbar ist, dann klappt es aber doch. Ein kurzer Spaziergang am Fjord Húnafjördur entlang führt dann zum 15 Meter hohen Basaltfelsen im Meer. Der Hvítserkur ist unten an zwei Stellen ausgehöhlt und großflächig weiß gefärbt – mit Vogelkacke. Hier nisten nämlich viele Vögel, wie zum Beispiel der Eissturmvogel oder einige Möwenarten.

Das besondere an dem Basaltfelsen ist die isländische Sage, die dahintersteckt. Demnach ist der Hvítserkur nämlich ein Troll, der von dem Sonnenlicht versteinert wurde, als er Steine auf ein Kloster warf. Wenn man die Form länger betrachtet, könnte es tatsächlich ein Troll sein, der seinen Kopf nach links zur Wasseroberfläche neigt. Bei Ebbe kann man übrigens trockenen Fußes zum Fels laufen.


2. Hoch im Norden: Siglufjördur

Siglufjörður ist die nördlichste Stadt Islands. Als wir auf der Straße 76 durch den einzigen Tunnel fahren, der Siglufjörður mit dem restlichen Island verbindet, sind wir total gespannt, was uns am anderen Ende erwartet. An diesem Nachmittag im Juni ist das Städtchen total still, es scheint fast gar verlassen. Uns begegnen kaum Leute, nur ein paar einheimische Fischer gehen ihrem Job nach. Hierher kommen wohl kaum Touristen. Wir konnten unser Auto direkt am Hafen abstellen und noch viele weitere Parkplätze waren frei.

Anfang des 20. Jahrhunderts boomte das Städtchen durch die Heringindustrie. Aber heute verirren sich nur recht wenige Menschen ganz hoch in den Norden. Dennoch befindet sich der Küstenort seit 2017 im Aufbau, denn das idyllische Städtchen hat auf jeden Fall Charme und ist einen Besuch wert. Es gibt ein Heringsmuseum, eine hübsche Kirche, einen schönen kleinen Hafen, ein paar Hotels und süße Restaurants und Cafés.


3. Húsavík und die Wale

Die Straße 85 führt direkt in die berühmte Stadt im Norden. Besonders beliebt ist Húsavík wegen der zahlreichen Möglichkeiten zur Walbeobachtung mit unglaublichen 98 % Sichtungswahrscheinlichkeit. In der Bucht herrschen die perfekten Bedingungen für die riesigen Meeressäugetiere. Mehr zu dem Hafenstädtchen im Norden Islands gibt es hier:

Húsavík und die Wale


4. Der See Mývatn

Der viertgrößte See der Vulkaninsel befindet sich im Nordosten. Du erreichst ihn über die Straße 1 und die Straße 87. Wenn du den Mývatn einmal mit dem Auto umrunden und an den zahlreichen tollen Aussichtsplätzen anhalten möchtest, kannst du die Straße 848 nehmen. Diese mündet schließlich an beiden Enden wieder in der Straße 1. Wir haben unterwegs an einigen Stellen das Auto geparkt und die wunderschöne Gegend und den strahlenden Sonnenschein genossen.

Den Namen erhielt der See (deutsch Mückensee) von den großen Mückenschwärmen, die in den Sommermonaten über dem See kreisen. Durch die extrem hohe Anzahl an Mücken ist der Mývatn ein wahres Schlaraffenland für unzählige Fisch- und Vogelarten. Wir sind rings um den See vielen Vogelbeobachtern und -fotografen mit riesigen Teleobjektiven begegnet. Mit den Mücken hatten wir im Juni allerdings noch Glück.

Da sich der Mývatn in dem aktiven Vulkangebiet Krafla befindet, ragen aus der Wasseroberfläche skurrile Felsformen aus erstarrtem Lavagestein empor. Dadurch hat das Naturreservat eine total mystische und geheimnisvolle Wirkung.


5. Godafoss

Dieser Wasserfall ist einer der berühmtesten in Island. Ich finde, er ist auch einer der schönsten. Er liegt kurz nach der Stadt Akureyri direkt an der Straße 1 und verfügt über einen riesigen Besucherparkplatz. Obwohl wir erst abends dort ankamen, haben wir noch viele Touristen angetroffen. Der Godafoss gehört eben zu den Top-Sehenswürdigkeiten Islands.

Der Wasserfall ist mit 158 Metern sehr beit und 11 Meter hoch. Das Wasser ist wieder einmal kristall klar und leuchtend türkis. Am Rand des Flusses gibt es viele Wanderwege mit spektakulären und beeindruckenden Aussichtspunkten. Für uns ist der Godafoss ein absolutes Must-See in Island. Die Landschaft samt Wasserfall ist einfach atemberaubend!


6. Islands Wüste

So fahren wir also mit unserem Mietwagen vom Mývatn in Richtung Osten und nach etwa 15 Minuten sehen wir in der topfebenen Landschaft plötzlich Nebel am Horizont. Wie kann das sein bei strahlend blauem Himmel und fast 20 °C Außentemperatur? Wir fahren weiter und auf einmal erkennen wir Wirbel in dem nebelartigen Dunst. Je näher wir darauf zu fahren, desto genauer sind die Strukturen zu erkennen. Wir bemerken, wie der Wagen auf der Straße hin und her ruckelt. Es ist extrem windig draußen. Und plötzlich ist es uns klar! Was wie Nebel aussieht, ist ein Sandsturm, der den feinen Boden der kargen Wüstenlandschaft nach oben schleudert. Fenster zu, Lüftung aus, Augen zu und durch.

Als wir den Sandsturm überwunden haben, machen wir eine kurze Rast. Beim Aussteigen kann ich mich kaum auf den Beinen halten. Der Wind ist immer noch extrem stark. Die Kamera lassen wir wegen den umherfliegenden Staubkörnchen lieber im Auto. Dennoch ist die Landschaft absolut beeindruckend. Versteinerter Lavaboden und beigefarbene Sandflächen so weit das Auge reicht. Wer hätte damit in Island gerechnet!?


7. Dettifoss

Kurz nach unserem Sandsturm-Erlebnis führt eine Abzweigung von der Ringstraße 1 auf die Straße 862. Nach 20 Minuten erreichen wir den Dettifoss-Parkplatz. Die Straße 864 führt zwar auch zum Ziel, ist jedoch eine Schotterpiste. Die Straße 862 ist neuer und asphaltiert.

Durch die enorme Wassermenge und die Fallhöhe von 44 Metern ist der Dettifoss der leistungsstärkste Wasserfall Europas. Das Wasser ist hier aber ausnahmsweise nicht kristallklar und blau, sondern trüb und graubraun. Außerdem befinden sich in der direkten Nähe zwei weitere Wasserfälle: einen Kilometer südlich der Selfoss, zwei Kilometer nördlich der Hafragilsfoss. Dettifoss bedeutet übrigens auf deutsch “stürzender Wasserfall”.


8. Dimmuborgir

Direkt neben dem See Mývatn an der Straße 848 befindet sich das Lavafeld Dimmuborgir. Entstanden ist der einstige Lavasee durch den Ausbruch des Vulkansystems Heidarspordar vor 2.300 Jahren. Nach und nach erstarrte die Lava und übrig blieb das mystische Dimmuborgir. Die bizarren Felsformen erinnern an die Überreste von Städten und Burgen. Daher besagt die isländische Mythologie, dass dies der Lebensraum von Trollen und Elfen ist. Gesehen haben wir leider keine…

Vom Besucherparkplatz aus kann man übrigens den beeindruckenden, dunkelgrauen Krater Hvarfjall sehen. Der 2.500 Jahre alte Ring aus Basaltgestein entstand durch die Explosion von Wasserdampf, als Magma auf Grundwasser traf. Der Krater ist 1 Kilometer breit und bis zu 150 Meter hoch. Zwei Wanderwege führen hinauf. Um die körnige Gesteinsformation nicht zu beschädigen, dürfen die Wanderwege auf keinen Fall verlassen werden!


9. Hverir

Das Geothermalgebiet befindet sich nur wenige Minuten entfernt vom See Mývatn direkt an der Ringstraße 1. Der unverwechselbare Gestank verrät uns sofort, dass wieder blubbernde Schlammtöpfe auf uns warten. Der aktive Vulkan Námafjall befindet sich in direkter Nachbarschaft. Im Hochtemperaturgebiet Hverir wurden in 1.000 Meter Tiefe über 200 °C gemessen. Die heißen vulkanischen Ausströmungen sorgen für weißen Dampf und heftiges Gebrodel. Die geothermischen Felder und die heißen Quellen schaffen durch die Verbindung mit den Schwefelgasen die verschiedensten Farben im Schlamm. Von dunkelgrau über orange bis rot, aber auch grün und gelb, sind alle Nuancen im sprudelnden Matsch vertreten.


10. Traumhotel im Norden Islands

Rungang Teil 1

Zu guter Letzt möchten wir noch von unserer Honeymoon-Suite berichten. Denn das war mit Abstand das schönste Hotel, in dem wir jemals waren. Wir nächtigten im Loft im obersten Stockwerk des ehemaligen Schulgebäudes. Eine riesige Dachterrasse mit eigenem Whirlpool gehörte uns ganz allein. Noch fantastischer ist die Aussicht: auf der einen Seite schneebedeckte Berge, auf der anderen Seite den tiefblauen Fjord Eyjafjördur. Traumhaft! Von unserer Terrasse aus konnten wir übrigens Wale beobachten. Diesen unglaublichen Ort werden wir nie wieder vergessen. Noch immer bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an die vier Nächte an diesem märchenhaften Fleckchen denke.

Rundgang Teil 2

Diese zauberhafte Unterkunft heißt Apt. Hotel Hjalteyri und befindet sich im gleichnamigen Ort Hjalteyri an der Straße 82 in Nordisland. In unseren Flitterwochen gönnten wir uns das Penthouse-Apartment für knapp 200 Euro pro Nacht. Zum Zimmer gehört neben der Dachterrasse mit Whirlpool eine großes Wohnzimmer mit riesigem Sofa, eine Küchenzeile, ein Schlafzimmer und ein wunderschönes Bad. Im Preis inbegriffen ist außerdem ein leckeres Frühstück mit allem, was man für einen guten Start in den Tag braucht.

Wie gesagt, haben wir in Island unsere Flitterwochen verbracht. Aus diesem Grund bezahlten wir die komplette Reise selbst. Da uns das Hotel aber so nachhaltig beeindruckte, muss ich es dir hier kurz vorstellen. Falls du also eine einmalige Übernachtungsmöglichkeit suchst, kann ich dir diesen Ort wärmstens empfehlen.


11. Fazit

Der Norden Islands ist die schönste Gegend unserer Reise. Wir hatten Glück in allen Bereichen: traumhaftes Wetter, wunderschöne Ausflüge, unvergessliche Momente beim Whalewatching und eine fantastische Honeymoon-Suite. Perfekter hätten die vier Tage nicht sein können!

Mein absolutes Highlight ist die hübsche Stadt Húsavík mit unserer Walbeobachtungstour. Dieses Erlebnis war so einmalig, dass ich dafür einen extra Artikel geschrieben habe. Die Verlinkung findest du oben. Nie im Leben hätte ich daran geglaubt, einem Wal so nahe zu kommen und ihn über so lange Zeit beobachten zu dürfen. Für immer haben sich diese Augenblicke in mein Gedächtnis gebrannt. Hinzu kommt, dass wir auch von der Dachterrasse unseres Hotels Wale beobachten konnten. Auch vom Nachbarort Hauganes werden Whalewatching-Ausflüge in unserem Fjord angeboten. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir uns nochmal auf Schifffahrt begeben, um vielleicht Orcas oder sogar Blauwale zu entdecken.

Die Landschaft von Nordisland lebt durch ihre Kontraste. So viele verschiedene Vegetationszonen, so unterschiedliche Umgebungen und so viele Wunder der Natur. Abenteuerlicher und abwechslungsreicher kann ein Roattrip nicht sein!


Offenlegung: Wir bezahlten diese Reise komplett selbst.


Noch mehr über unsere Island-Rundreise:

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